Article in Frankfurter Allgemeine Zeitung , Germany

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October 22, 2010

Deutsche schreibt Rechtsgeschichte in Großbritannien

Die deutsche Millionärs-Erbin Katrin Radmacher hat vor dem höchsten englischen Gericht ein wegweisendes Urteil im Scheidungsrecht erstritten. Ihr deutscher Ehevertrag mit ihrem französischen Ex-Mann ist anerkannt worden.

Von Bettina Schulz, London

22. Oktober 2010 

Die deutsche Millionenerbin Katrin Radmacher hat mit ihrem Scheidungsprozess in London britische Rechtsgeschichte geschrieben. In einer für das britische Rechtssystem spektakulären Entscheidung hat der Oberste Gerichtshof in London verfügt, dass ein vor der Ehe von Radmacher mit ihrem früheren Ehemann Nicolas Granatino geschlossener Ehevertrag anerkannt werden muss. Während im deutschen Recht Eheverträge gelten, war das bisher in Großbritannien nicht der Fall. In zahlreichen Scheidungsprozessen wurden Eheverträge als „unfair” übergangen. London ist vor allem für wohlhabende Parteien eine Hochburg für Scheidungsprozesse, weil Ehefrauen oder die ärmere Partei extrem hohe Zuwendungen und eine Vermögensteilung von ihren Ehepartnern erstreiten können.

Radmacher, Beteiligte und künftige Erbin der westfälischen Papier- und Kartonagenfabrik Radmacher, prozessierte in London jedoch mit der Anwaltskanzlei Farrer & Co durch mehrere Instanzen bis zum Obersten Gerichthof, der nun entschied, dass ihr ehemaliger französische Ehemann Granatino nur eine Million Pfund Unterhalt erhält, Immobilienvermögen und jeweils 35 000 Pfund Kindergeld im Jahr für die beiden Töchter. Seine Schulden in Höhe von 700 000 Pfund hat Radmacher beglichen. Ihr weiteres Vermögen, das auf etwa 100 Millionen Pfund geschätzt wird, muss sie mit Granatino, der bei JP Morgan als Banker arbeitete und diesen Posten zugunsten eines Studiums in Oxford aufgab, nicht teilen. Radmacher und Granatino hatten vor der Heirat in einem freiwillig eingegangenen Ehevertrag festgelegt, dass bei Scheidung keine gegenseitigen Ansprüche auf das Vermögen erhoben würden. Granatino beklagt, dass die Höhe des Vermögens damals von Radmacher nicht offengelegt worden sei.

Eheverträge müssen ohne gegenseitigen Druck geschlossen werden

Die Argumentation des Berufungsgerichtes und des Obersten Gerichtshofes ist, dass sich Großbritannien nicht von der Rechtsauffassung in Europa abkoppeln und isolieren könne. „Nach dieser Entscheidung werden jetzt zahlreiche Eheverträge von Parteien geschlossen, die auf den Ausgang dieses Prozesses nur gewartet haben”, sagt der Anwalt Frank Arndt von der Anwaltskanzlei Stowe Family Law LLP . Die Rechtsprechung werde nun zeigen, wie wichtige Prinzipien von Eheverträgen behandelt würden. So müssen Eheverträge ohne gegenseitigen Druck geschlossen werden; das Vermögen muss offengelegt werden; über die Behandlung der Kinder kann nicht verfügt werden; und der Grundsatz von Treu und Glauben, also Fairness, muss eingehalten werden.

Link: http://www.faz.net/s/Rub867BF88948594D80AD8AB4E72C5626ED/Doc~E3DABD21362714D868C77A71E13CB0DF4~ATpl~Ecommon~Scontent.html